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Teil 5 - Erfolg und Niederlage - so verschieden, so nah beieinander

Auch beim Skispringen liegen Erfolg und Niederlage extrem nah beieinander. Während der eine Sportler neben der Sprunganlage seine Medallie eintgegennimmt, sitzt ein anderer nur ein paar Meter weiter an einem Tisch und analisiert seinen fehlgeschlagenen Sprung, tut gelassen, während in ihm eine Welt untergeht. Die Analyse nimmt er wahr, weiß, dass es an seinem Sprung nichts auszusetzen gab, weiß, die Gründe dafür, dass er hier drinnen sitzt und innerlich zerbricht, heißen Nervosität, Muffensausen, Druck, und - ach ja: Druck. Der Druck, der der schlimmste von allen ist, der, den er sich selbert macht. Aber er sitzt da und schweigt, frisst alles in sich hinein, denkt an das Telefongespräch, das er sofort nach Wettkampfende mit seiner Frau geführt hat, damit er diesen Tag überlebt. Damit ihn etwas davon abhält, alle anzuschreien, die es wagen ihn auch nur von der Seite schief anzuschauen.
Und was jetzt?
Zum Sorgenfall mutieren, in Mitleid versinken (obwohl man sich das ja wohl verdient hätte..), alles schleifen lassen?
Oder neu anfangen? Verdrängen, weitermachen, sich nicht unterkriegen lassen, neuen Mut schöpfen. Das wird's sein, die einzig richtige zu Erfolg führende Lösung. Und die an der Seele zährendeste. Denn woher nimmt man all die Kraft, all die Stärke, sowohl die innere als auch die äußere? Woher das nötige Bisschen Motivation und Freude nehmen, wenn man tausende von Kilometer von zu Hause entfernt in einem blöden Hotel ist, immer von Neugierigen umringt, die einen fragen, auf was man selber keine Antwort hat: warum hat man schon wieder versagt, es nicht geschafft? Warum, warum, warum? Und wird man jetzt aufgeben? Oder weiter hoffen, auf eine göttliche Umbesinnung zu seinen Gunsten, oder wie man das auch immer nennen möchte. Nirgends kann man abschalten, wie man es zu Hause könnte, nirgendwo fühlt man sich wohl genug. Man versucht, sich übers Telefon ein bisschen von diesem 'zu Hause' zu holen, aber es geht irgendwo über den ihn von der Heimat trennenden Bergen verloren, erreicht ihn nicht. Hinzu kommt nur eine unmöglich stillbare Sehnsucht.Verlorensein. Und wie soll man jetzt noch diese von einem verlangte Stärke, Kraft, Zuversicht finden? Wer soll einem die bringen? Nein, so geht das nicht. Und so ergibt man sich dem Schicksal, versucht innerlich zerrüttet das beste. Aber ohne Nervenstärke, ohne Abgeklärtheit- was soll man da noch groß an Früchten ernten?
Und dann ist es vorbei, andere haben sich dazu genötigt gefühlt, auf das Siegerpodest zu steigen. Sie werden Seite an Seite mit ihm, dem vom Himmel verfluchten Überflieger interviewt, all die Fragen gefragt, auf die sie keine Antworten wissen. Er hätte Antworten parat gehabt-auf diese Fragen. Aber stattdessen fragt man ihn die Fragen, die er nicht beantworten kann. Warum hat er schon wieder versagt, es nicht geschafft, und wird er jetzt endgültig aufgebeb, geschlagen von der Frustration? Er weiß es nicht, ist doch auch egal, es gibt Wichtigeres als Skisprung-Olympiasieger zu werden.
Er will nur noch weg, nach Hause, wo es Menschen gibt, die ihn bedingungslos lieben, ihn am Verzweifeln hindern. Sie werden ihn schon wieder aufpäppeln, motivieren.
Oh ja, auch beim Skispringen liegen Erfolg und Niederlage eng beieinander. Als er im Auto sitzt, auf dem Weg zum Flughafen, wo das Flugzeug wartet, das ihn nach Hause bringen wird, sitzt ein anderer auf dem Platz neben ihm, und hat eine Medallie um den Hals hängen. Und der Geschlagene sitzt da und tut gelassen, während er sich vornimmt, es ihm heimzuzahlen, beim nächsten Springen, denn Erfolg und Niederlage können schließlich so nah beieinander liegen. Erfolg wandelt sich manchmal sehr schnell in Misserfolg und ein Geschlagener kann schon bald zum Gewinner werden...
Ein zufriedenes Lächeln umspielt seine Lippen, dann wendet er das Gesicht dem Fenster zu, und weiß: es ist noch nichts verloren, denn wie er seine Frau kennt, hat die sich längst überlegt, wie sie ihren Mann wieder zum Lächeln bringt...(^.^)